Weihnachtsfeier des Blinden- und Sehbehindertenvereins Südbaden e.V.

„Jede Woche freue ich mich auf die „Zeitung zum Hören!“

 

Weihnachtsfeier des Blinden- und Sehbehindertenvereins Südbaden e.V.


„Schon am Dienstag frage ich nach, ob die Post gekommen ist. Denn jede Woche freue ich mich auf die Zeitung zum Hören,“ sagt Frau Baumann (Name geändert).
Frau Baumann ist blind. Sie ist wie etwa 30 andere Damen und Herren Abonnentin der Badischen Zeitung, aber eben der „Zeitung zum Hören“.
Am Mittwoch, 13.12.2011 hatte der Blinden- uns Sehbehindertenverein Südbaden e.V. (BSVSB) Abonnentinnen und Abonnenten zusammen mit dem Aufleseteam der „Zeitung zum Hören“
zu einer kleinen Weihnachtsfeier im Blindenheim Freiburg in der Karlstrasse eingeladen, um sich persönlich kennen zu lernen.
Zur Zeit sind wir vier Frauen, die abwechselnd jeweils für eine Woche aus der Badischen Zeitung das auswählen, von dem wir annehmen, das es für unsere Hörerinnen und Hörer interessant sein könnte und sprechen es dann auf einen Recorder auf. Wenn der Versand klappt, ist die CD, die im Blinden- und Sehbehindertenverein hergestellt wird, am Dienstagmorgen in der Post von Frau Baumann.
Die Auswahl der Artikel ist nicht ganz einfach. Die Abonnentinnen und Abonnenten erhalten die CD eine Woche nachdem die Artikel in der Zeitung erschienen sind. Es ist also abzuschätzen, ob bestimmte Informationen zu diesem Zeitpunkt bereits überholt sind.
Hinzu kommt: Wir Aufleserinnen kennen unsere Hörerinnen und Hörer und deren Vorlieben nicht. Sicherlich sind sie nicht immer mit unseren eigenen identisch. Mir ist dies besonders in der Woche aufgefallen, als ich über die Räumung des von dem sogenannten Kommando Rhino besetzten Platzes in Vauban vorlas. Ich fand die Auseinandersetzung, das Pro und Contra der verschiedenen politischen Gruppierungen in der Stadt interessant. Am Ende der Woche stellte ich fest: Jeden Tag ein Artikel über die Rhinos. Ob das im Interesse meiner Zuhörer war?
„Wir haben ja einen Knopf zum Abschalten,“ kommentiert Herr Schulten (Name geändert) trocken. „
Aber im übrigen: Etwas mehr Sport könnte schon sein!“ Ein wenig schuldbewusst sehe ich in die Runde: Mit dem Sport können wir wohl alle nicht so viel anfangen. Aber wir geloben
Besserung.
Worin sich alle einig sind: Nicht die große Politik soll in der“ Zeitung zu Hören“ im Vordergrund stehen. Was Frau Merkel zur Eurokrise gesagt hat, bringen die Nachrichten im Radio. Das, was in Freiburg geschieht, was geplant und was verändert wir, möchten unsere Zuhörer wissen, damit sie auf dem Laufenden bleiben, was sich  so in ihrer Stadt tut und sie mitreden können.
Und auch darin ist man sich einig: Interessant geschrieben“ sollen die Artikel sein, „nicht zu viele Zahlen, denn die kann man sich sowieso nicht merken.“ Das „Münstereck“ hört man gerne und auch „Die dritte Seite“. Hier geht es zwar in der Regel nicht um Freiburger Belange, aber um Themen, die von allgemeinem Interesse sind. Und auch Leserbriefe würde man gerne hören, regt eine Abonnentin an.

Am Anfang jeder Ausgabe der „Zeitung zum Hören“ gibt die jeweilige Vorleserin ihren Namen und ihre Telefonnummer mit dem Hinweis an, für Rückfragen und Anregungen zur Verfügung zu stehen. Ob das denn auch so gemeint sei, möchte Herr Schulten wissen, „denn zu viele Anrufe können ja auch ganz schön störend sein.“ Wie willkommen uns solche Rückmeldungen sind, hat, denke ich, unser Zusammensein gezeigt. Für uns Vorleserinnen war es ein Gewinn.

Wir suchen weitere Aufleser:
Wer das Projekt „Zeitung zum Hören“ unterstützen  und das Aufleseteam verstärken möchte, wende sich bitte per e-Mail an den Blinden- und Sehbehindertenverein Südbaden e.V.( info@bsvsb.org) oder telefonisch im neuen Jahr ab 16.01.2012: 0761-36122.
Der Wechsel der Vorleserinnen von Woche zu Woche wird von den Zuhörern positiv aufgenommen. Und vielleicht lässt sich das Problem der Sportnachrichten durch eine männliche Verstärkung des Teams auch besser lösen.

Ursula Nowak
(Selbst Sprecherin der Badischen Zeitung zum Hören)